Projektstart: 1 Jänner 2026
2026 wurde von den Vereinten Nationen zum internationalen Jahr der Weidelandschaften ausgerufen. Mehr als die Hälfte der Landoberfläche der Erde besteht aus Weidelandschaften: Gebiete, in denen die Vegetation aus natürlichen Gräsern und Sträuchern besteht, die von Vieh und Wildtieren abgeweidet werden.
Strukturwandel in der Landwirtschaft und steigender wirtschaftlicher Druck führen dazu, dass diese Bewirtschaftungsform immer häufiger aufgegeben wird. Mit dem Rückgang der Weidewirtschaft einher gehen Verbuschung, Verlust artenreicher Wiesen und ein starker Rückgang vieler Tier- und Pflanzenarten.
Die Stiftung Naturparke unterstützt, österreichweit in 7 Naturparkregionen (Leiser Berge, Neusiedlersee-Leithagebirge, Riedingtal Sierningtal Flatzer Wand, Steirische Eisenwurzen und Weißbach) Beweidungsprojekte, die von gefährdeten alten Haustierrassen durchgeführt werden. Über 100 Hektar wertvoller Lebensräume werden dabei von Konik Pferden, Walachenschafen, Bulgarenziegen, Zackelschafen, Krainer Steinschafen, Tux-Zillertaler Rindern, Pinzgauer Strahlenziegen, Waldschafen und Aosta Ziegen, werden beweidet.
Sie tragen dazu bei, dass artenreiche Kulturlandschaften geschützt und gefährdete Wildtiere wie Kiebitz, Ziegenmelker, Neuntöter, Ziesel, Bechsteinfledermaus, Wiedehopf, Smaragdeidechse, Alpensalamander sowie der Apollo- und Schlüsselblumen-Würfelfalter wieder einen geeigneten Lebensraum finden.
Ansprechpartner bei der Stiftung Naturparke: Franz Handler 0676/6384116
Beweidungsprojekt Saum-Trockenrasen, Waldrandbereiche und Wiederherstellung eines Kalkmagerrasens im Naturpark Sierningtal - Flatzer Wand
Projektstart: 1 Jänner 2026
Ausgangslage
Der Europäische Ziegenmelker Caprimulgus europaeus ist in Österreich im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie und laut Fauna-Flora-Habitat-Richtline (FFH-Richtlinie) als VU (vulnerable-gefährdet) und laut der Roten Liste gefährdeter Tiere Österreichs als stark gefährdet eingestuft.
Die Rote Liste NÖ beschreibt den Handlungsbedarf so:
Caprimulgus europaeus - SPEC:2/ VSR: I / RLÖ: 3
Artenschutzprogramm wünschenswert; verbesserte Bestandserfassung und -kontrolle sowie forcierte Untersuchung der Biologie und Gefährdung der heimischen Population; Umsetzung von Schutzvorschlägen im Bereich der Schwerpunktvorkommen (v.a. Steinfeld, Marchfeld).
Dies führt zu unserem Projekt „Von der Ziege zum Ziegenmelker“
Projektinhalte
Die betroffenen Flächen befinden sich alle im Naturpark Sierningtal-Flatzer Wand und stellen bestätigte und potenzielle Bruthabitate für den Ziegenmelker dar. Durch aufgegebene oder falsche Bewirtschaftung (Mulchen, Mahd ohne Materialabtransport) drohen die wertvollen Pflanzengesellschaften des FFH Typ Halbtrocken- und Trockenrasen (6210) zu verschwinden. Neben Diptam Dictamnus albus, dem Gösing Habichtskraut und der Kuhschelle Pulsatilla vernalis gibt es zahlreiche Blühpflanzenarten und Gehölze wie den eingriffeligen Weißdorn Crataegus monogyna. Diese Gehölze stellen unter anderem das Bruthabitat für den Neuntöter Lanius collurio und im Saumbereich der Heidelerche Lullula arborea. Weiters kommt auch der Wiedehopf Upupa epops immer öfter vor.
Durch die extensive Beweidung mit kleinen Wiederkäuern und kleinrahmigen Bosnischen Gebirgspferden soll die Vegetationsnarbe schonend abgeweidet und die Verbuschung vor allem durch Schlehe und Liguster reduziert werden. Eine halboffene strukturierte Landschaft soll dadurch erhalten bleiben und die Bruthabitatsstruktur vor allem für den Ziegenmelker verbessern. Dieser benötigt halboffene Waldränder und Offenflächen für die Jagd nach Insekten.
Für die Beweidung der 2,41 ha Trockenrasen/Waldsäume Döppling/Ternitz sowie der 0,28 ha auf der Flatzer Wand benötigt die Herde zwei Durchgänge pro Jahr. (Frühling und Herbst)
Bildung
Unsere Naturpädagog:innen und Ranger:innen führen Interessent:innen regelmäßig zu den Flächen, um die Besonderheiten dieser aufzuzeigen. Die Brutplätze der Vögel werden natürlich nicht preisgegeben, jedoch via Erhebung registriert. Zweimal jährlich findet auch eine Ziegenwanderung statt. Dabei wird auf die Flatzer Wand aufgetrieben, um die dortigen Kalkmagerrasen und Offenstrukturen in der Wand wieder herzustellen. Die Ziegen entbuschen dort zwei Areale und öffnen diese somit für Schlingnatter, Wildbienenarten und eben auch den Ziegenmelker. Diese Arbeit kann dann von der Naturfreundehütte aus live beobachtet werden.
Monitoring
Wird von den Beweidern selbst im Zuge mitgemacht bzw. über den Expert:innen Pool der Naturparke Niederösterreich angesucht.
Umtrieb am 7. Juni von Flatz nach Sieding, quer durch den Naturpark Sierningtal-Flatzer Wand.
Ziegenwanderung von Naturparkzentrum Sieding-Stixenstein zum Neunkirchner Naturfreundehaus:
Mit den Ziegen vom Bockerlhof Mahrersdorf, von Barbara und Stefan, wandern wir zum „Flatzer Ziegengarten“ auf der Flatzer Wand, wo die Ziegen die nächsten Tage verbringen werden. Unterwegs erfahrt ihr einiges über unseren Naturpark und das Beweidungsprojekt „Von der Ziege zum Ziegenmelker“.
Zielgruppe: Unsere Wanderung richtet sich an Naturinteressierte aller Altersgruppen! Hunde können leider nicht mitkommen, um die Arbeit von Hirtenhund und Hirten mit den Ziegen nicht zu stören.
Treffpunkt: 13.07.2026, 9:45 Uhr Im Naturparkzentrum Sieding-Stixenstein beim Ziegengehege
Eckdaten: 4 km, ca. ~2,5 Stunden, Aufstieg ~ 298 hm
Veranstaltungsende beim Neunkirchner Naturfreundehaus
Döppling
Naturparkzentrum Sieding-Stixenstein