Besonderheiten aus der Tier- und Pflanzenwelt
Sie sind oft gut getarnt, winzig klein oder scheu, dennoch sind sie da - die Sierningtal-Flatzer Wand-Schätze.
Flora
Der pannonisch-alpine Klimaeinfluss bietet für Botanikfreunde eine Fundgrube an floralen Schätzen wie Schneerose, Kuhschelle, Schwalbenwurz, Herzblatt-Kugelblume, Schwertblatt-Waldvögelein, Echte Hundszunge, Felsen-Goldlack, Augenwurz, Edel-Gamander oder das gelb blühende Brillenschötchen. Regionale Raritäten sind das Gösing-Täschelkraut und das Scheibenschötchen, das seinen Verbreitungsschwerpunkt eigentlich auf dem Balkan hat, sowie das Felsen-Wolfskraut - eine endemische Art, die nur in den nordöstlichen Kalkalpen Niederösterreichs vorkommt.
Der Naturpark beherbergt zum Beispiel den eingriffeligen Weißdorn. Dieser Strauch erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 6 m. Als Rosengewächs trägt er auch kräftige Dornen und bietet so z.B. kleinen Vögeln Schutz vor Räubern. Seine Früchte sind essbar, jedoch nicht sonderlich wohlschmeckend. Er wird als Heilpflanze für Herzerkrankungen eingesetzt, da er krampflösend und gefäßerweiternd wirkt.
Unter anderem sind verschiedene Orchideen und die gefährdete Trollblume (Trollius europaeus) im Sierningtal beheimatet.
Fauna
Der Alpenbock, ein EU-weit geschützter, blau-schwarz gefleckter Käfer, ist in den Wäldern des Naturparks anzutreffen. Dieser legt seine Eier in im Absterben begriffenen Holz, hauptsächlich von Buchen ab. Dort entwickeln sich die Larven 3 bis 4 Jahre, bevor die erwachsenen Käfer schlüpfen. Wälder mit (vor allem stehendem) Totholz sind Voraussetzung für das Vorkommen des Alpenbocks.
Aber auch weniger bekannte Arten wie die Gösing-Tönnchenschnecke (Orcula austriaca pseudofuchsi) und der Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus) leben in unserem Naturpark.
Beutegreifer wie Uhu und Fischotter finden entlang der Flatzerwand und im Sierningtal genügend Nahrung und sorgen für ein ökologisches Gleichgewicht.
Aufmerksame Naturparkbesucher treffen auf Gämsen, Rehe, Eidechsen, Mäusebussarde und Dohlen, vielleicht sogar auf einen Fuchs oder einen Uhu. Auch der geschützte blau-schwarz gefleckte Alpenbock-Käfer - er benötigt zur Eiablage stehendes Totholz, bevorzugt von Buchen - hat im Naturpark ein Refugium gefunden. In den Höhlen der Flatzerwand überwintern Fledermausarten wie die kleine Hufeisennase und das große Mausohr. Eine lokale Besonderheit in den Höhlen der Flatzer Wand sind die Höhlenspinne und die Höhlenheuschrecke.
Ganz besonders scharfe Augen braucht man, um den Ziegenmelker zu finden. Dieser nachtaktive Vogel gehört zu den Nachtschwalben und ist in seinem Verhalten so eigen sowie typisch für die lichten Föhrenwälder der Thermenlinie.
Höhlenwelt der Flatzerwand
Wettersteinkalk ist ein ideales Ausgangsgestein für die Bildung von Karsthöhlen durch Wassereinwirkung.
Das gesamte Naturparkgebiet, mit seinen höchsten Erhebungen, dem Gösing (898 m) und „Auf der Kehr“ (790 m), ist Teil der Gutensteiner Alpen - diese wiederum gehören zu den Ausläufern der Nördlichen Kalkalpen.
Bei Karsthöhlen unterscheidet man zwischen hypogenen Höhlen, die sich aufgrund der Korrosion durch Tiefengrundwasser (Warme Lucke am Gösing) bilden, und epigenen Höhlen, die durch das Einsickern von Oberflächenwasser (alle anderen Höhlen im Naturparkgebiet) entstehen. Im Naturparkgebiet befinden sich mehr als 60 Höhlen, davon 17 auf der Flatzer Wand. Die bekannteste ist das „Lange Loch“ mit seiner Vielzahl an archäologischen und paläontologischen Funden. Die ältesten Tierfunde wie das Mosbachpferd reichen bis ins Mittelpleistozän (vor etwa 781.000 bis 126.000 Jahren) zurück. Ein besonderer Fund konnte der urtümlichen Bären-Unterart Ursus deningeroides zugeschrieben werden, von der es weltweit nur drei Fundorte gibt.